· 80 Jahre Metzgerei Haller (2008) ·

Viel Mut, Zuversicht und der Glaube an das eigene Können waren notwendig, als Metzgermeister Christian Haller im Jahre 1928 das Geschäfts- und Wohnhaus in der Austraße 55 in Schwenningen käuflich erwarb.
In einem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld mit Inflation und großer Arbeitslosigkeit waren es für das junge Metzgerpaar Christian und Christine Haller keine optimalen Startbedingungen, zumal das Geschäftshaus sich damals in einer absoluten Stadtrandlage befand.
Per Fahrrad wurde der Vieheinkauf auf den Schlachtviehmärkten in Donaueschingen und Rottweil getätigt. Zu Fuß brachte man die Rinder zum Schwenninger Schlachthof. Mit dem Handkarren wurden die Fleischteile vom Schlachthof zur Weiterverarbeitung in die Metzgerei gebracht. Erst 1933 brachte der Kauf eines Geschäftsautos eine wesentliche Arbeitserleichterung mit sich.

Die Jahre bis zum Kriegsbeginn 1939 waren von einer stetigen Zunahme des Fleischverbrauchs gekennzeichnet, was sich auch positiv auf die Geschäftsentwicklung auswirkte. Der Kriegausbruch jedoch beendete jäh diese Tendenz und man erlebte die Kriegsjahre mit der Einführung der Lebensmittelmarken und der Kontingentierung von Fleisch- und Wurstwaren, bis zum totalen Zusammenbruch der Versorgung im Sommer 1945.

Die anschließenden "Hungerjahre" verhinderten naturgemäß eine normele Geschäftsentwicklung. Erst die Währungsreform im Jahre 1948 beendete diesen Negativtrend. Die nunmehr freie Marktwirtschaft schuf das viel zitierte Wirtschaftswunder, somit sah auch das Meisterehepaar Haller wieder eine Zukunftsperspektive. So wurde im Jahre 1953 die Wurstküche erneuert und vergrößert und 1958 wurde durch einen Anbau an das Geschäftshaus der Laden von 20m2 auf 60m2 vergrößert. Mit einer durchgehend gekühlten Verkaufstheke war man kühltechnisch und hygienisch auf dem neuesten Stand. Nach einem harten und erfolgreichen Berufsleben übergaben am 1. Juli 1964 Christian und Christine Haller den Metzgereibetrieb an ihren Sohn Fritz und dessen Ehefrau Ruth.

Mit viel jugendlichem Optimismus und einer großen Portion Risikobereitschaft wagte man sich schon im Jahre 1967 an den totalen Umbau des Geschäftshauses. Durch Einbeziehung und Umgestaltung des Altbaus konnte die Verkaufsfläche auf 180m2 vergrößert werden. Mit der Angliederung einer Lebensmittelabteilung, mit allen Frischeprodukten, nahm man die Herausforderung des Wettbewerbs an. Durch permanent steigende Umsätze, sowohl in der Lebensmittelabteilung als auch in der Metzgerei, sah man sich bei den Kunden als Nahversorger bestätigt.

Durch diese Umsatzentwicklung war die Kapazität der bisherigen Wurstküche erschöpft und Fritz Haller entschloss sich 1978 zu einem Neubau der Produktions- und Kühlräume. Dies war zugleich auch die Weichenstellung zur Belieferung Hallerscher Produkte für Wiederverkäufer. 10 Jahre später erfolgte nochmals eine grundlegende Renovierung des Ladengeschäfts. Mit hochwertigen Materialien schuf man das passende Ambiente zu den ebenfalls hochwertigen Produkten.

Nicht nur mit seinen Produkten war Fritz Haller außerordentlich erfolgreich, sondern auch in der Ausbildung von jungen Gesellen. So bildete er innerhalb 8 Jahren 2 Landes- und Bundessieger aus. Damit wurde die Metzgerei Haller zum bundesweit erfolgreichsten Fleischerei-Ausbildungsbetrieb in den 80er Jahren. Fritz Haller engagierte sich des Weiteren auch noch über 20 Jahre für das Schwenninger Fleischerhandwerk. Daraus resultierte auch, dass ein Fernsehteam vom WDR, für drei Sendungen im ARD-Ratgeber, im Verkaufsraum der Metzgerei Haller die Gelegenheit bekam, in seinem Beitrag den Verbrauchern Einkaufstipps rund ums Fleisch zu geben. Auf dem Höhepunkt ihres beruflichen Schaffens entschlossen sich Fritz und Ruth Haller ihren Betrieb an einen geeigneten Nachfolger zu verkaufen.

In der fachlich hochgeschätzten Familie Schmidt aus Dauchingen sahen Fritz und Ruth Haller den idealen Nachfolger, der ihr Lebenswerk in ihrem Sinne fortführen würde. So erfolgte die offizielle Übergabe an den erst 25-jährigen Metzgermeister und Industriekaufmann Werner Schmidt am 1. Januar 1993.